Übung im Familienzentrum Höngen- vier Kinder im Rauch eingeschlossen

Zu einer unangekündigten Alarmübung im Familienzentrum Höngen wurden am Freitagvormittag (30.6.17) die Löscheinheiten Höngen-Saeffelen und Hillensberg-Süsterseel alarmiert. Den ersteintreffenden Kräften stellte sich die Lage zunächst unklar dar. Die ohrenbetäubend piependen Rauchmelder

in allen Räumen ließen jedoch auf einen Brand schließen. Tatsächlich war unter starker Rauchentwicklung ein Feuer in einem Lagerraum ausgebrochen. Die Erzieherinnen hatten beim ersten Alarm richtig reagiert und die komplette Tageseinrichtung sofort evakuiert. Gleich danach machte der Rauch die Fluchtwege wegen offen stehender Türen unpassierbar. Beim Durchzählen der Kinder war dann der Schrecken groß: Vier Kinder fehlten, sie mussten sich noch irgendwo in den Räumen befinden. Nach einer ersten Erkundung der Lage drangen drei Trupps unter schwerem Atemschutz zur Menschenrettung in die verrauchten Bereiche vor. Zur Erhöhung der Schwierigkeit wurden den Atemschutztrupps die Sichtscheiben ihren Masken mit einer speziellen Folie versehen, die eine realistische Nullsicht in dichtem Rauch simuliert. So mussten sich die Einsatzkräfte, die Strahlrohr und Schläuche oder Sicherungsleinen mitführten,  tastend und im Krebsgang kriechend ihren Weg durch Flure, Räume und über Treppen suchen. Eine Lage, die so bei jedem Wohnungsbrand vorkommen kann. Zur Verdeutlichung kann sich der Leser einmal als „blinde Kuh“ durch die ihm bekannten Räume seiner Wohnung tasten. Man glaubt kaum, wie schnell man selbst in vertrauter  Umgebung die Orientierung verliert. Um wieviel schwieriger ist es bei einer echten Lage für Feuerwehrleute, in ihrer schweren Einsatzkleidung, mit 16 kg schwerem Atemschutzgerät auf dem Rücken, in völlig unbekannter Umgebung in Hitze, Lärm und Rauch nach eingeschlossenen Menschen zu suchen und zu retten. Bei jedem Schritt kann es irgendwo in die Tiefe gehen, Wände und Decken können einstürzen, der Rückweg abgeschnitten werden. Der nur für 20 bis 25 Minuten ausreichende Atemluftvorrat erhöht den Stressfaktor noch zusätzlich.

 

Für die Kinder des Familienzentrums war dieser „Einsatz“ natürlich ein echtes Highlight. Im Vorfeld waren sie durch Mitglieder der Einheit Höngen-Saeffelen im Rahmen der kindlichen Brandschutzerziehung mit dem Thema „Feuerwehr“ und „richtiges Verhalten wenn es brennt“ vertraut gemacht worden. Auch die schnelle Evakuierung der Tagesstätte und das Aufsuchen bestimmter Sammelpunkte im Freien waren dabei geübt worden. Nun konnten sie und ihre Erzieherinnen hautnah einen wirklichkeitsnahen Einsatz von Anfang bis Ende erleben und das Erlernte  anwenden. Die Planer der Übung und die beteiligten Einsatzkräfte konnten aus dieser Übung wieder wichtige Erkenntnisse gewinnen, die z.B. in die 14-tägigen Übungsabende der Wehrleute einfließen. Objekte, die durch große Ansammlungen von Menschen über ein besonderes  Gefahrenpotenzial verfügen, wie Schulen, Kindergärten, Senioren- und Behindertenpflegeeinrichtungen, stehen im besonderen Fokus der Feuerwehr und sind immer wieder Thema in der Ausbildung.

In eigener Sache:

Es gehört mittlerweile zum traurigen Feuerwehralltag, dass Einsatzkräfte durch rücksichtslose oder unachtsame Verkehrsteilnehmer angefahren und verletzt werden. Wie an allen Einsatzstellen, an denen Einsatzkräfte den Gefahren des fließenden Verkehrs ausgesetzt sind, wurde zum Eigenschutz auch der Bereich vor dem Familienzentrum für die Dauer der Übung durch Verkehrsleitkegel abgesperrt. Zwei Pkw-Fahrer konnten sich jedoch mit dieser Maßnahme nicht abfinden und überfuhren die Leitkegel. Einer der batteriebetriebenen Leuchtkegel wurde dabei zerstört. Die Fahrer entfernten sich dann, ohne sich um den von ihnen verursachten Schaden zu kümmern. Da die Kennzeichen bekannt sind, erwartet diese rücksichtslosen Zeitgenossen nun ein Verfahren wegen Sachbeschädigung und Verkehrsunfallflucht.

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