Feuerwehr Selfkant stellt ihre Funkgeräte von Analog- auf Digitalfunk um

 

06.05.2017

Selfkant.

Als zweite Feuerwehr im Kreis Heinsberg stellt die Feuerwehr Selfkant ihre Sprechfunkgeräte von analog auf digital um. Ab dem 8. Mai (00:00 Uhr) funken die 143 Selfkänter Feuerwehrleute in ihren Fahrzeugen nach modernem Standard.

Die analoge Technik, die bei der Feuerwehr bis

heute zum Einsatz kommt, wurde im Jahr 1972 eingeführt. Anfang 2017 wurden dann alle Fahrzeuge der Selfkänter Wehren durch eine Fachfirma, auf digitale Technik umgerüstet. Die analogen Geräte bleiben aber vorsichtshalber als sogenannte Rückfall-Ebene noch, bis zur Abschaltung an Bord. Sollte es zu Problemen mit der digitalen Technik kommen, können die Wehrleute im Ernstfall immer noch die gewohnte analoge Technik nutzen. Die Frequenzen des Analogfunks gehen an die BNetzA erst dann zurück wenn der Bundesinnenminister gegenüber dem Bundeswirtschaftsminister den Verzicht erklärt.

In den nächsten Wochen und Monaten werden dann auch die übrigen Feuerwehren im Kreis Heinsberg auf die digitale Technik umgestellt. Der Rettungsdienst des Kreises Heinsberg funkt schon seit längerer Zeit digital.

Die digitale Technik bietet den Feuerwehrleuten eine ganze Reihe von Vorteilen. Zu den Vorteilen, steht an erster Stelle die deutlich verbesserte Übertragungsqualität, im Vergleich zum analogen Funkverkehr. Das zum Teil kräftige Rauschen, das typisch für die analoge Übertragungstechnik ist, gehört der Vergangenheit an. Digitalfunk gilt außerdem als abhörsicher. Im Gegensatz zur alten Technik ist nun auch Einzelkommunikation möglich. Weiterer großer Vorteil ist außerdem, dass mit dem digitalen Funk nun auch Behördenübergreifende Gruppenschaltungen möglich sind. Dadurch können im Bedarfsfall beispielsweise alle BOS, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, unkompliziert miteinander kommunizieren und zu Gesprächsgruppen zusammengefasst werden.

Die Selfkänter Feuerwehrleute wurden in den vergangenen Monaten für den Umgang mit den neuen digitalen Geräten geschult.

Nach der Feuerwehr Selfkant als zweite im Kreis Heinsberg stellen auch die übrigen Feuerwehren sukzessive auf den digitalen Sprechfunk um.



INFO

Digitalfunk bringt Sicherheitsbehörden und Hilfskräften enorme Vorteile

Der Digitalfunk BOS erfüllt wichtige operativ-taktische Anforderungen an eine moderne BOS-Kommunikation und zeichnet sich durch eine Vielzahl von technischen Leistungsmerkmalen aus, die die Einsatzkräfte bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben unterstützt.

Derzeit betreiben und nutzen die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) voneinander unabhängige Analogfunknetze. Diese inzwischen veraltete analoge Funktechnik wird im Rahmen des derzeit größten technischen Modernisierungsvorhabens der Bundesregierung durch den Digitalfunk BOS abgelöst.
Die folgende Gegenüberstellung zeigt die wesentlichen Vorteile des Digitalfunks BOS im Vergleich zum Analogfunk:

Ein gemeinsames Netz für alle BOS

  • Alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) nutzen für die Sprach- und Datenkommunikation ein bundesweit einheitliches, flächendeckendes Netz. Die behördenübergreifende Kommunikation ermöglicht neue Formen der Zusammenarbeit und bietet erhebliche Vorteile bei der Einsatzorganisation und -steuerung.

  • Im Analogfunk nutzte jede BOS ihr eigenes Netz mit eigenen Funkkanälen und räumlich begrenzter Reichweite.

Abhörsicherheit

  • Der TETRA-Standard beinhaltet als Sicherheitsfunktion bereits eine Funkschnittstellenverschlüsselung. Diese schützt den Übertragungsabschnitt zwischen mobilem Endgerät und Basisstation, gewährleistet jedoch keinen Schutz für die dahinter liegende Netzinfrastruktur. Aus diesem Grund wird der Funkverkehr beim Digitalfunk BOS noch durch den Einsatz einer speziellen Software verschlüsselt (sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung). Auch im internationalen Vergleich ist Deutschland mit dieser Lösung führend.

  • Der Analogfunk ist nicht abhörsicher.

Einzelkommunikation

  • Es kann gezielt mit einzelnen Teilnehmern ein Funkgespräch geführt werden, ohne dass dieses von anderen Teilnehmern mitgehört werden kann, da jedes digitale Gerät über eine individuelle Adresse verfügt.

  • Im Analogfunk ist eine Beschränkung des Teilnehmerkreises technisch nicht möglich. Alle Nutzer eines Funkkanals können sämtliche Funkgespräche mithören (offener Funkkanal).

Gruppenkommunikation

  • Neben der Kommunikation innerhalb einer statischen Teilnehmergruppe ist es möglich, im Bedarfsfall - etwa bei einer Großschadenslage - Teilnehmer verschiedener Gruppen - auch BOS-übergreifend und großräumig zusammenzuschalten.

  • Im Analogfunk ist das einsatzbezogene Zusammenschalten verschiedener Benutzergruppen zentralgesteuert nicht möglich.

Kapazität

  • Die Funkkanäle sind nur dann belegt, wenn sie tatsächlich genutzt werden.

  • Im Analogfunk beansprucht jeder Kanal permanent eine eigene Frequenz. Auch wenn nicht gesprochen wird, kann diese nicht von anderen Bedarfsträgern genutzt werden. Deswegen kommt es bei Großschadenslagen regelmäßig zur Überlastung und zu Engpässen bei Funkkanälen.

Bessere Sprachqualität und Verständlichkeit

  • Der Digitalfunk bietet eine deutlich verbesserte Sprachqualität, da Umgebungsgeräusche unterdrückt bzw. gefiltert werden.

  • Im Analogfunk sind Sprach- und Empfangsqualität teilweise schlecht ("Rauschen").

Datenübertragung

  • Gemäß den Anforderungen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wird mit dem BOS-Digitalfunknetz eine sichere, hochverfügbare Sprachkommunikation und daneben eine schmalbandige Datenkommunikation realisiert. Sie ermöglicht beispielsweise die Alarmierung von Einsatzkräften der Feuerwehren.

  • Im Analogfunk ist die Übertragung von Daten nur sehr eingeschränkt möglich.

Telefonie

  • Mit einem digitalen Funkgerät sind Gespräche aus dem Funknetz in das öffentliche Telefonnetz möglich.

  • Diese Funktionalität ist im analogen Funknetz nicht gegeben.

Notruftaste

  • Alle digitalen Funkgeräte sind mit einer Notruftaste ausgestattet. Durch das Drücken der Notruftaste wird eine Sprechverbindung mit Vorrang vor allen anderen Teilnehmern aufgebaut. Auf diese Weise können Meldungen sofort an die Leitstelle oder weitere Notrufziele weitergeleitet werden. Verfügen die Funkgeräte zusätzlich über einen "GPS" –Empfänger, kann der Hilfesuchende seine genaue geographische Position übermitteln.

  • Analoge Geräte verfügen nicht über eine Notruftaste.

 

Quelle: Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS)

BDBOS

Bilderstrecke vom April 2013 - März 2017 unter:

Fortschrittsanzeiger: Aufbau und Inbetriebnahme des BOS-Digitalfunknetzes